CBAM in Kraft: Neue Realitäten für die europäische Energiebeschaffung
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der Europäischen Union ist seit dem 1. Januar 2026 in seiner Übergangsphase in Kraft und markiert einen Paradigmenwechsel in der europäischen Klimapolitik. Dieses Instrument zielt darauf ab, das Risiko der Kohlenstoffverlagerung zu mindern und die Wirksamkeit des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) zu stärken, indem es Importe von bestimmten kohlenstoffintensiven Gütern mit einem CO2-Preis belegt. Für Unternehmen im DACH-Raum, insbesondere in energieintensiven Sektoren, ergeben sich daraus signifikante Implikationen für ihre Beschaffungsstrategien und die Bewertung ihrer Lieferketten.
Die Einführung des CBAM fällt in eine Zeit anhaltender Volatilität an den Energiemärkten. Aktuelle Daten zeigen einen EUA-Preis von rund 65,59 EUR/tCO2, während der TTF Gaspreis bei etwa 52,400 EUR/MWh und der Brent Ölpreis bei 103,3 USD/Barrel liegen. Diese Preisentwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Energiebeschaffung nicht nur unter Kostengesichtspunkten, sondern zunehmend auch unter Berücksichtigung von CO2-Kosten und regulatorischen Rahmenbedingungen strategisch zu optimieren.
Die Mechanismen des CBAM und seine Übergangsphase
Der CBAM verpflichtet Importeure, die in den Geltungsbereich fallende Waren in die EU einführen, die mit diesen Produkten verbundenen Emissionen zu deklarieren und entsprechende Zertifikate zu erwerben. In der aktuellen Übergangsphase (2023-2025) liegt der Fokus auf der Berichtspflicht, um Unternehmen und Behörden die Anpassung an das neue System zu ermöglichen. Ab 2026 beginnt die definitive Phase, in der die tatsächliche finanzielle Belastung durch den Erwerb von CBAM-Zertifikaten wirksam wird. Dies ist eng gekoppelt an den schrittweisen Ausstieg aus den kostenlosen Emissionszertifikaten im Rahmen des EU-ETS.
Die Europäische Kommission hat im Januar 2026 das Implementierungspaket für den CBAM veröffentlicht, was Unternehmen dringend benötigte Klarheit über die Anwendung der neuen Kohlenstoffsteuer verschafft. Gleichzeitig fordern Mitgliedstaaten wie Italien und Frankreich eine Beschleunigung der ETS- und CBAM-Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu sichern. Dies zeigt die dynamische politische Landschaft, in der sich Unternehmen bewegen müssen.
Strategische Implikationen für die Energiebeschaffung
Für Unternehmen bedeutet die CBAM-Einführung eine Erweiterung der Risikobetrachtung in der Energiebeschaffung. Es geht nicht mehr ausschließlich um den direkten Energiebezug, sondern auch um die indirekten Emissionen, die in importierten Vorprodukten oder Rohstoffen enthalten sind. Eine präzise Analyse der Lieferketten und eine transparente Kommunikation mit internationalen Zulieferern werden unerlässlich.
Handlungsempfehlungen für Ihr Unternehmen:
- Lieferkettenanalyse: Identifizieren Sie Produkte und Zulieferer, die unter den CBAM fallen, und bewerten Sie deren CO2-Intensität. Sprechen Sie mit Ihren Lieferanten über deren Emissionsdaten und Reduktionsstrategien.
- Datenmanagement: Bauen Sie robuste Systeme zur Erfassung und Berichterstattung relevanter Emissionsdaten auf, um den Berichtspflichten nachzukommen und zukünftige Kosten präzise kalkulieren zu können.
- Beschaffungsstrategie anpassen: Berücksichtigen Sie den CBAM-Preis als zusätzlichen Kostenfaktor bei der Auswahl von Lieferanten und Produkten. Prüfen Sie Alternativen wie die Verlagerung der Beschaffung auf emissionsärmere Quellen oder die Investition in eigene Dekarbonisierungsmaßnahmen.
- Risikomanagement: Entwickeln Sie Szenarien für unterschiedliche CBAM-Preisentwicklungen und deren Auswirkungen auf Ihre Kostenstruktur. Hedging-Strategien könnten zukünftig auch CBAM-Zertifikate umfassen.
Ausblick: Eine Chance zur Dekarbonisierung
Der CBAM ist mehr als eine neue Steuer; er ist ein starkes Signal für die Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft. Unternehmen, die proaktiv auf diese Veränderungen reagieren und ihre Energie- und Beschaffungsstrategien anpassen, können nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile erzielen. Die EM Energy Consulting GmbH unterstützt Sie dabei, diese komplexen Zusammenhänge zu navigieren und maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen zu entwickeln.
Quellenverweise
- Trading Economics. (2026). EU Carbon Permits. Verfügbar unter: https://tradingeconomics.com/commodity/carbon
- Investing.com. (2026). Dutch TTF Natural Gas Futures Price Today. Verfügbar unter: https://www.investing.com/commodities/dutch-ttf-gas-c1-futures
- Trading Economics. (2026). Brent crude oil. Verfügbar unter: https://tradingeconomics.com/commodity/brent-crude-oil
- Europäische Kommission. (o.J.). Carbon Border Adjustment Mechanism. Verfügbar unter: https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism_en
- CMS Law. (2025). CBAM implementation package published and proposals for future expansion. Verfügbar unter: https://cms.law/en/aut/legal-updates/cbam-implementation-package-published-and-proposals-for-future-expansion
- Eurometal. (2026). Italy, France push EU for faster ETS, CBAM reforms to protect industry. Verfügbar unter: https://eurometal.net/italy-france-push-eu-for-faster-ets-cbam-reforms-to-protect-industry/
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